2009-10-28 Fatamorgana im Badezimmer
Es folgt mal wieder eine kleine lustige geschichte:
Früher, als die Welt noch sandig war,
liesen sich reiche Ölscheichs von speziell darauf spezialisierten Dienstleistern Pyramiden in die Wüste bauen.
Sie dachten sich wohl, da hätten Sie in toten Zustand mehr Unterhaltung als in ihren Palästen.
So eine Pyramide braucht viel Zeit, bis sie fertig ist.
Riesige und zugleich rissige Steine müssen bewegt und aufeinandergesetzt werden,
möglichst ohne dass sie zerbröseln.
Jeder, der schon einmal sein Gartenmäuerchen ausgebessert hat, kann das gut nachvollziehen;
aber so eine Pyramide dauert im Gegensatz zu einer Gartenmauer eine ganze Weile.
Dafür steht sie auch umso länger.
So kann es vorkommen, dass im Laufe einer Millionen Jahre etwa,
vorausgesetzt dass es während dieser Zeit pausenlos windet,
die schöne Pyramide ganz vom Sand zugedeckt wird.
Aber es windet ja nicht immer.
Es kommen nach so einer Zeit auch wieder ein paar Millionen Jahre,
in denen kein Lüftchen weht und
die Welt dafür von sanften aber beständigen Erdbeben pausenlos heimgesucht wird.
Dieser chronische Schüttelfrost der oberen Erdschicht kommt aber niemals über Richterskala null komma fünf.
Das ist so, weil die Pyramide während der Prozedur ja nicht kaputt gehen darf.
Man stelle sich das also einmal bildlich vor...
Was passiert dann?
Auf die Dichte kommte es an, wurde gesagt.
Rüschtüsch...
Die feinen Sandkörner legen sich durch die andauernde Erschütterung unter den grossen Klotz (unsere Pyramide).
Ganz langsam geschieht es so,
dass so eine riesen grosse Pyramide,
nachdem sie erst im Sand versunken ist,
auf einmal wieder auftaucht.
Schwups, weg war sie und genauso unvermittelt taucht sie wieder auf.
Dieses Phänomen habe ich heute morgen in meinem Badezimmer beobachtet.
Sie wollen mir jetzt vielleicht nicht glauben,
dass ein reichr Ölscheich sich ausgerechnet in meinem von Schimmel bedrohtem Badezimmer eine Pyramide baut.
Da tun sie der Sache recht.
Es handelt sich nämlich nicht um Sand,
sondern um den Wäscheberg,
der mittlerweile in der einen Ecke meines Badezimmers nach einiger Zeit angefangen hat,
sich dort richtig heimisch zu fühlen.
In regelmäßigen Abständen wird die obere Schicht dieses Berges abgetragen,
und in die Waschmaschine befördert.
Zu meinem Bedauern erledigt das nicht der Wind.
Ich muss voranschicken,
dass in meinem Badezimmer ein zweiter Wäscheberg existiert:
Auf dem Ablagebrett über der Badewanne.
Ordentlich wie ich bin trenne ich bewusst die saubere von der dreckigen wäsche und verteile sie auf meine beiden wäscheberge. Schränke sind zum offenlassen da.
Nun fiel mir heute morgen auf,
dass ich in letzter Zeit regelmäßig viel Zeit damit verbringe,
diesen zweiten Wäscheberg nach einem einigermaßen zusammenpassenden Paar Socken zu durchwühlen - unverhältnissmäßig viel Zeit.
Dabei kommt es, so meine ich, immer häufiger vor,
dass ich die Suche abbreche und nocheinmal die Socken vom Tag zuvor anziehe.
Ich komme also rückblickend mit müffeligen Füßen zu dem Schluss,
dass mir unter mysteriösen Umständen Socken verschwinden:
In der letzten Maschine waren gerade einmal zwei Stück drin:
Ein grauer kurzer und ein schwarzer langer.
Stellt sich die Frage:
Verschwinden in meinem Haushalt tatsächlich Socken?
Wenn ja, warum ist das so?
Gibt es für dieses Phänomen eine unter naturwissenschaftlichen Aspekten nachvollziehbare Erklärung?
Kann eine solche Erklärung meine langsam aufkeimende Paranoia beschwichtigen,
es handle sich dabei um das Werk einer ausserirdischen Sockenmafia,
deren eingeschworene regelmäßig unbemerkt die Erde besuchen um bei mir Socken zu klauen,
die dann in der gesamten Galaxie an zwilichtige Hehler verscherbelt werden?
Diese und ähnliche Fragen beschäftigten mich als ich,
im Schlafzimmer angefangen,
auf meiner Socken-Suche wieder zurück Richtung Bad kam.
So kam ich zuletzt bei dem Berg mit Dreck-Wäsche an,
der mir bis zum heutigen Tag fast bis zum Knie reicht.
Dort kam ich dann zu dem Schluss,
dass rein theoretisch zumindest,
dieser Berg mit Dreckwäsche ein potentieller Aufenthaltsort für mutmaßlich schmutzige Socken sein könnte.
Ich habe mich also mal nach unten durchgewühlt und tatsächlich:
Mit statistischer Genauigkeit kann man sagen, dass die Sockenrate propertional zu der Wäschebergtiefe zunimmt.
Nun, das ist erstaunlich.
Weht doch in meinem Badezimmer kein Wind, Erdbeben gab es auch keine und Öl-Scheichs erst recht nicht.
Ich habe jedenfalls gleich mal eine halbe Maschine mit Socken befüllt und laufen gelassen.
Behalte ich meine Sockenwechselfrequenz bei,
die ich mir im Laufe der schwer regressiven Zeit des Sockenmangels angewöhnt habe,
dürfte damit die Sockenversorgung für die nächsten ein, zwei Monate gesichert sein.
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