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Donnerstag, 25. Juni 2009

2009-05-12 Der Mann mit dem Loch im Kopf

Es war einmal ein Mann.
Genauergenommen war er zu Beginn unserer Geschichte noch ein Junge.
Doch aus dramaturgischen Gründen wird er Mann genannt.
Jedenfalls hatte er etwas Besonderes, etwas das andere nicht hatten.
Er hatte ein Loch im Kopf - und zwar nicht so eines, das man bekommt
wenn man die Treppe runterfällt sondern ein metaphysisches Loch im Kopf,
das auf bemerkenswerte Weise in der Lage war, mit der physischen und psychischen Welt
um es herum zu interagieren:
Es saugte alles auf.
In der Schule musste der Mann eine Mütze tragen, weil die Schüler um ihn herum
auserordentlich schlechte Zensuren hatten; weil das Loch die ganzen Intelligenz-
quotienten wegsaugte. Es saugte auch Luft auf. Im Alter von 3 Jahren blieb der Mann
in einem Aufzug stecken und seine Eltern, die bei ihm waren, kamen durch Sauerstoffmangel ums Leben.
Wenn der Mann keinen Hunger hatte zog er einfach seine Mütze ein Stück hoch und beugte sich über das Teller.

Das Leben war nicht schlecht, als Mann mit einem Loch im Kopf.
Es war nicht rosig aber auch nicht schäbig.
Eben genau richtig für einen Mann mit einem Loch im Kopf.
Und wenn der Mann von seinen Altersgenossen gehänselt würde zog er seine Mütze ein Stück hoch
und das Loch saugte all die bösen Beschimpfungen weg;
zusammen mit denen, die sie ausgesprochen hatten.

Freunde hatte der Mann keine.
Bei seinem Abschlussball machte er sich ausgesprochen unbeliebt,
weil er das ganze Bier, die vielen Salate und all die Drogen aufsaugte und den anderen nichts übrig lies.

Als der Mann älter wurde machte er sich mit einer Müllentsorgung selbstständig.
Bald hatte sich herumgesprochen, dass der Mann Müll jeder Art für ein paar Pfifferlinge entsorgte.
Er saugte alles auf. Dreckige Windeln, eingelaufene Pullover, Plutonium, verrostete U-Boote und lebte
davon nicht schlecht denn die Pfifferlinge verkaufte er gewinnbringend auf dem Wochenmarkt.
Doch bald wurden die Behörden auf ihn aufmerksam und er musste sein Geschäft wegen Beamtendummheit einstellen.

Weit, weit weg, am anderen Ende der Welt lebte ein Mann mit einem schlechten Magen.
Schon seit frühester Kindheit musste er alles Mögliche auskotzen.
Manchmal, wenn ihm schlecht war, schrieb er auch Poesie, Arien oder löste komplexe mathematische Probleme.
Er lebte einsam in einem verstrahlten Tal,
inmitten von dreckigen Windeln,
eingelaufenen Pullovern und verrosteten U-Booten.

Auch er lebte nicht schlecht, er hatte immer zu essen und viel Beschäftigung.
Wenn ihm langweilig war gab er in der Stadthalle am Ende des Tals seine Poesi zum Besten.
Geschickt kombinierte er seine Darbietung mit einer Zauberaufführung und kotzte, pardon, zauberte
allerlei schöne Dinge hervor. Die Zuschauer waren begeistert;
bis zu jenem Tag, an dem zufälligerweise der Mann mit dem Loch im Kopf am anderen Ende der Welt seine Müllentsorgung eröffnete.
Von da ab ging es bergab. Doch eines Tages hörte die abscheuliche Müllkotzerei auch unvermittelt wieder auf.
Die Dorfbewohner am Ende des Tales hiessen ihn herzlich willkommen zurück.

Am anderen Ende der Welt war der Mann mit dem Loch im Kopf traurig.
Er hatte seinen Laden schliessen müssen aber er lies sich nicht lumpen.
Von den Pfifferlingen, die er von seinem letzten Auftrag noch übrig hatte beschloss er,
eine Weltreise zu unternehmen: Er kam vorbei an blauen Seen, grünen Wäldern, zotteligen Bären,
Krümelmonstern, vorbei an vornehmen Banker-söhnen und ausgewachsenen Nacktschnecken.
Er genoss das Leben und lies es sich nicht nehmen.

Eines Tages auf seiner Reise besuchte der Mann mit dem Loch im Kopf ein kleines Dorf am Ende eines
verstrahlten Tales, das gefüllt war mit allerlei dreckigen Windeln, eingelaufenen Pullovern und verrosteten U-Booten.
Dort traf er auch den Mann mit dem schlechten Magen und die beiden verstanden sich blendend.
Nach einiger Zeit war der Mann mit dem schlechten Magen verwundert darüber dass der Mann mit dem Loch im Kopf immer
diese lustige Mütze trug.

Da schlich er sich nachts in sein Schlafgemal und zog ihm heimlich die Mütze vom Kopf.
Der Mann mit dem schlechten Magen staunte nicht schlecht, als er das Loch im Kopf des Mannes mit dem Loch im Kopf erblickte.
Er war neugierig und stieg mit den Beinen voraus hinein und so geschah es, dass der Mann mit dem schlechten Magen sich selbst
auf den Bettvorleger auskotzte.
Hui was für ein Spass und er machte es gleich nocheinmal.
Der Mann, dem das Loch gehörte bekam davon nichts mit denn er schlief tief und fest.
Da kam dem Mann mit dem schlechten Magen die Idee sich in dem Loch genauer umzusehen.
Also steckte er seinen Kopf in das Loch und was dann geschah kann man ohne Studium der Quantenmechanik nicht verstehen.
Soviel sei gesagt: Die Geschichte endet hier mit einem unausprechlichen Gekotze.

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